Streichquartetttage im Holzhausenschlösschen<br>Grunelius-Konzerte – quartetaffairs<br>Konzert mit dem Kuss Quartett

Streichquartetttage im Holzhausenschlösschen
Grunelius-Konzerte – quartetaffairs
Konzert mit dem Kuss Quartett
Am Donnerstag, 26. November 2015, 19.30 Uhr
Holzhausenschlösschen

Diese Veranstaltung ist bereits vorüber.

Jana Kuss Violine
Oliver Wille Violine
William Coleman Viola
Mikayel Hakhnazaryan Violoncello

 

 

Joseph Haydn (1732 – 1809)
Streichquartett op. 50 Nr. 6 „Froschquartett“ (Nr. 6 der „Preußischen Quartette“ 

György Kurtag (* 1926)
Streichquartett op. 28 „Officium Breve“ (in Memoriam Adreae Szervánszky)

***Pause*** 

Ludwig van Beethoven (1770 – 1827)
Streichquartett  Nr. 10 Es-Dur op. 74 „Harfenquartett“

Im Fokus: György Kurtág „Officium breve“ op. 28,  in memoriam Andreae Szervánszky
Als das Kuss Quartett – damals waren die Mitglieder 16 Jahre alt und Schüler des Berliner Bach-Gymnasiums – bei einem Meisterkurs an der Berliner Musikhochschule dem ungarischen Komponisten György Kurtág begegneten, wurde seine Arbeit, sein sorgfältiger Umgang mit Musik und sein unermüdliches Suchen und Einfordern von „im Moment sein“ zum bewunderten Leitfaden des Ensembles. „Officium breve“ mit seinen 15 Miniaturen, welches zwei verschiedene Pole – den traditionellen Szervánszky und den progressiven Webern – gegenüberstellt, miteinander verbindet und so zu ganz eigenen Ereignissen findet, ist das Streichquartett, welches wir wahrscheinlich am meisten in unseren Konzerten gespielt haben. Es soll heute im Zentrum des Abends stehen.

Weitere Werke:
Das „Frosch“-Quartett von Joseph Haydn gehört zu den mittleren Werken des einfallsreichen Genies, dem Preußischen König gewidmet, seinen Beinamen dem letzten Satz geschuldet mit dem an Froschgequake erinnernden Bariolage-Effekt. Aber auch die anderen Sätze sind voller Überraschungen: Schon der Einstieg der fallenden Violine, die mithilfe der Mitspieler sofort eine Schlussformel spielt, sich bald hier bald dort harmonisch verirrt, Taktgefüge erweitert und vor lauter Lebendigkeit sogar mit nur einem Thema auskommt. Auffallend sind fast identische Wendungen im Trio des Menuetts zu Mozarts D-Dur Quartett KV575, ebenfalls für den Preußenkönig komponiert. Zwei Komponisten im Wettstreit?

Ein Dritter, Ludwig van Beethoven – übrigens Schüler von Mozart und Haydn – geht später ganz eigene Wege. Sein in der „heroischen Tonart“ geschriebenes Es-Dur Quartett op.74 beginnt, wie schon das zuvor komponierte Quartett op.59/3 mit einer langsamen Einleitung, hier fragend, fast schwermütig, schließlich mit spannungsreichem tollkühnen Aufstieg in das Dreiklangs-öffnende Allegro mündend. Eine virtuose, riesige Coda beendet diesen herrlichen Satz, gefolgt von einem der berührendsten langsamen Sätze aus Beethovens Feder, dann ein wildes Scherzo und final ein Variationssatz, dessen Themen-Gestaltung jedem Interpreten Rätsel aufgibt.

Kuss Quartett:
„Jeder Klang, jede Phrase, jede Neugestaltung einer Wiederholung schien entstaubt, befragt und genussreich aufpoliert.“, befand die FAZ nach einem Konzert des Kuss Quartetts. Keine Frage, die Experimentierfreude gehört zu den wichtigsten Eigenschaften des Berliner Ensembles. Und das schlägt sich nicht nur in der regelmäßigen Beschäftigung mit Neuer oder Alter Musik, sondern auch in den Interpretationen des gängigen Repertoires nieder. Mit neuen Formaten wie „KussPlus“ in Berliner Szene-Clubs, Gesprächskonzerten und Konzeptprogrammen sind die vier Musiker Pioniere des modernen Quartettlebens.

Eintritt inkl. Hör-Oase
Ernst Max von Grunelius-Stiftung (Förderer) in Kooperation mit der Frankfurter Bürgerstiftung (Projektleitung)