Streichquartetttage im Holzhausenschlösschen<br>Grunelius-Konzerte – quartetaffairs<br>Konzert mit dem Arditti Quartet und dem Daphnis Quartett

Streichquartetttage im Holzhausenschlösschen
Grunelius-Konzerte – quartetaffairs
Konzert mit dem Arditti Quartet und dem Daphnis Quartett
Am Freitag, 27. November 2015, 16.30 Uhr
Holzhausenschlösschen

Diese Veranstaltung ist bereits vorüber.

Irvine Arditti Violine
Ashot Sarkissjan Violine
Ralf Ehlers Viola
Lucas Fels Violoncello

Moritz Ter-Nedden Violine
Frédérique Guilikers Violine
Petrus Coetzee Viola
Cosimo Garovani Violoncello

Helmut Lachenmann (* 1935)

Streichquartett Nr. 1 „Gran Torso“
Streichquartett Nr. 2 „Reigen seliger Geister“

***Pause***

Streichquartett Nr. 3 „Grido“

Im Fokus:
Am 27. November 1935 wurde Helmut Lachenmann geboren, heute, am 80. Geburtstag ist er bei uns zu Gast – eine besondere Ehre. Er hat Komponieren und Spielgewohnheiten hinterfragt, Hörerwartungen aufgerüttelt und ist für mich einer der scharfsinnigsten Geister unserer Musikszene. Der wunderbare Gesprächspartner, anregende Denker und einfühlsame Musiker wird gemeinsam mit dem Arditti Quartet über seine Streichquartette, seinen Umgang mit klanglichen Ereignissen sprechen und wir werden einige Beispiele hören können. Für die anschließende Aufführung konnten wir das Arditti Quartet gewinnen, sie nehmen das  junge Daphnis Quartett – die Vier haben den „Reigen“ mit dem Komponisten einstudiert – in ihre Mitte.
Lachenmann im Holzhausenschlösschen – für mich ein Großereignis!

Die drei Streichquartette:

Was erleben wir, wenn sich vier Menschen mit ihren zwei Violinen, einer Viola und einem Cello auf ein Podium begeben? Wir haben eine ganz bestimmte Hörerwartung, Kenner sind bei ihnen bekannten Stücken geradezu gespannt auf einige harmonische Wendungen, den gewissen Klang dieser oder jener Stelle, dieses berühmten Ensembles usw. Wie ist es nun bei uns unbekannten, neuen Werken? Wir vergleichen, suchen nach Analogien und Wiedererkennbarem. Was aber, wenn es ganz anders kommt, wenn der uns so vertraute Quartettklang zunächst gar nicht entsteht? Wenn dieser zunächst Erwartete im Verlauf des Hörens sogar zum „Fremden“ wird? Sind wir dann nicht viel offener, suchen nach Strukturen, nach dramatischen Verläufen und beobachten wieder viel aufmerksamer? Wir entdecken beispielsweise eine neue Welt zwischen Ton und Geräusch. Ein Streichquartett kann auch als Instrument mit 16 Saiten betrachtet werden, bei dem vier Akteure die „Klänge“ durch bestimmte physikalische Aktionen erzeugen. Helmut Lachenmanns Quartette sind vielleicht gar nicht anders als Haydns, nur erfüllt das Material, aus welchen die Strukturen gebaut sind, nicht unsere Hörerwartungen. Und dadurch wird ein neues, überraschendes Hören möglich – und etwas Wunderbares entsteht bei diesem gemeinsamen Erlebnis.

Der Komponist:
Helmut Lachenmann verweigert sich vorgegeben Hörerwartungen: „Die Schönheit von Musik ist für mich untrennbar an das Niveau der Anstrengung gebunden.“ Der gebürtige Stuttgarter, studierte in seiner Heimatstadt Musiktheorie und Kontrapunkt bei Johann Nepomuk David und Komposition bei Luigi Nono in Venedig. 1962 trat er erstmals bei der Biennale in Venedig und den Darmstädter Ferienkursen als Komponist in die Öffentlichkeit. Seit den 1980er Jahren bilden seine Werke den Programmschwerpunkt zahlreicher internationaler Konzertreihen und Festivals. 2005 war er Composer in Residence beim Lucerne-Festival. Einen Höhepunkt seiner kompositorischen Karriere bildete 1997 die Uraufführung seiner Oper „Das Mädchen mit den Schwefelhölzern“. Außerdem ist Helmut Lachenmann seit 1966 ein gesuchter Lehrer: Er war u.a. Dozent für Musik an der Pädagogischen Hochschule in Ludwigsburg, Koordinator für das Kompositionsstudio der Darmstädter Ferienkurse sowie Professor an den Musikhochschulen Hannover und Stuttgart. 2008 war er Visiting Professor an der Havard University. Daneben unterrichtete er weltweit in zahlreichen Seminaren. Lachenmann erhielt zahlreiche Preise und Auszeichnungen, so den Kompositionspreis der Stadt Stuttgart, den Hamburger Bach-Preis, den Musikpreis der Ernst-von- Siemens-Stiftung, den Berliner Kunstpreis und den „Leone d'oro“ der Biennale di Venezia für sein Lebenswerk. Lachenmann ist Fellow der Royal Academy of Music, Commandeur des Arts et des Lettres, Ehrendoktor der Musikhochschulen Hannover, Dresden und Köln sowie Mitglied der Akademien der Künste in Berlin, Brüssel, Hamburg, Leipzig, Mannheim und München. 2010 wurde er mit dem Bundesverdienstkreuz ausgezeichnet.

Die Interpreten:
Durch seine lebendige und differenzierte Interpretation von Kompositionen der Moderne und Gegenwart – und das seit über 40 Jahren – hat das Arditti Quartet weltweit einen herausragenden Ruf erlangt. Seit seiner Gründung 1974 durch den Geiger Irvine Arditti sind ihm mehrere hundert Streichquartette gewidmet worden, und so bildete sich das Ensemble mit den Jahren zu einer festen Größe der jüngsten Musikgeschichte heraus. Komponisten wie Adès, Aperghis, Birtwistle, Cage, Carter, Dufourt, Dusapin, Fedele, Ferneyhough, Francesconi, Gubaidulina, Harvey, Hosokawa, Kagel, Kurtág, Lachenmann, Ligeti, Nancarrow, Rihm, Scelsi, Sciarrino und Stockhausen haben ihm die Uraufführung ihrer Werke anvertraut, und das Repertoire des Quartetts umfasst bei vielen dieser und weiterer Komponisten die Gesamtheit ihrer Streichquartette.
Die Diskographie des Arditti Quartets umfasst über 180 CDs. Viele Werke wurden in Anwesenheit der Komponisten eingespielt, wie zum Beispiel die Streichquartette Luciano Berios. Auch legendäre Episoden der jüngsten Musikgeschichte, wie die Aufnahme von Stockhausens spektakulärem Helikopter-Quartett, wurden vom Ensemble auf CD verewigt. Das Arditti Quartet hat im Laufe der letzten 40 Jahre zahlreiche Preise erhalten, darunter mehrfach den Deutschen Schallplatten-Preis. Für die Einspielung von Werken Elliot Carters (1999) und Harrison Birtwistles (2002) gewann es zweimal den Gramophone Award für die „beste Aufnahme zeitgenössischer Musik“. 1999 wurde ihm der prestigeträchtige Ernst-von-Siemens-Musikpreis für sein musikalisches Lebenswerk verliehen, eine Auszeichnung, die das Quartett in eine Reihe stellt mit Preisträgern wie Berio, Britten, Carter, Ferneyhough, Lachenmann, Ligeti und Rihm.

Das im Herbst 2013 gegründete Daphnis Quartett besteht aus vier jungen Musikern aus den Niederlanden, Italien, Deutschland und Südafrika, die sich an der Musikhochschule Hannover kennengelernt haben.
Die erfahrenen Kammermusiker haben schon in anderen Ensembles gewirkt und zahlreiche Stipendien und Wettbewerbe für sich entschieden. In Hannover studieren Sie bei Oliver Wille, weitere musikalische Anregungen erhielten sie von Prof. Eberhard Feltz, Prof. Ulf Schneider (Trio Jean Paul) und Prof. Volker Jacobsen (ehem. Artemis Quartett). Konzerte spielten Sie bereits u.a. beim Heidelberger Frühling, in Bonn, Hamburg und im NDR Hannover.

Eintritt inkl. Hör-Oase
Ernst Max von Grunelius-Stiftung (Förderer) in Kooperation mit der Frankfurter Bürgerstiftung (Projektleitung)
Eine Veranstaltung in Kooperation mit cresc… Biennale für Moderne Musik Frankfurt Rhein Main, ermöglicht durch den Kulturfonds Frankfurt RheinMain